Angebote für Eltern und Kind

Kinderschutz mit System

Die Geburt eines Kindes ist sicher eines der größten Abenteuer, die das Leben für uns bereit hält. Und "Familie werden" eines der größten Veränderungsprozesse im Leben eines Menschen. Ein Prozess, der mit vielen Fragezeichen versehen ist und sich nicht ausprobieren lässt. In dieser sensiblen Lebensphase müssen viele Anforderungen bewältigt werden. Es gilt die Weichen für ein gelingendes Leben des Kindes zu stellen. Es gilt an der Partnerschaft zu arbeiten, die sich bewähren muss, die von einer Zweierbeziehung zu einem Familienleben reifen muss. Und, es gilt einen Berufseinstieg und damit eine wirtschaftliche Basis zu finden, die das Familienleben auf sichere Füße stellt.
Viele Menschen verbinden Familie mit Liebe, Geborgenheit, Füreinander-Dasein. "Familie leben" ist kein Kinderspiel. Viele Kinder in unserer Mitte leiden unter mangelnder Förderung, Vernachlässigung oder Gewalt. Familien, vor allem junge Familien in Risikolagen brauchen starke Partner, die ihnen den Schutz bieten, den sie alleine nicht aufbauen können. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Schutz im Miteinander gelingt. Im Miteinander von Menschen und im Zusammenspiel fördernder Maßnahmen. Kooperationen, Vernetzungen und gute Rahmenbedingungen sind in Bezug auf gelingenden Kinderschutz gleichzeitig hoher Anspruch und Grundvoraussetzung.

Eltern-Kind-Netzwerk

Im Laufe der Jahre begegnen uns viele Menschen, mit ihren ganz persönlichen Lebens- und auch Leidensgeschichten. Geschichten wie die von Anne W., die seit fünf Jahren mit ihren drei Kindern, Mona, 6 Monate, Luca 18 Monate und Tim, 3 Jahre alt, in Bonn lebt. Die Väter haben sich längst von Anne getrennt und pflegen zu ihren Kindern kaum Kontakt. Nach ihrer letzten Trennung vor 5 Monaten, zog Anne W. in ein Frauenhaus. Die Mitarbeiterinnen erleben sie müde, völlig abgespannt. Sie hat große Mühe ihre Kinder zu versorgen, die Erziehung überfordert sie gänzlich. Tim besucht keinen Kindergarten, da sie ihn bislang nicht angemeldet hat. Auch Luca und Mona sind den ganzen Tag immer im Haus, immer um Anne herum. Der Kinderarzt stellt bei allen drei entwicklungsverzögertes Verhalten fest. Tim spricht kaum, er nässt noch ein, ist häufig krank und hat sehr schlechte Zähne. Luca ist ebenfalls häufig krank. Für sein Alter ist er etwas zu klein. Er kann noch nicht laufen und spricht kein Wort. Und Mona, die Jüngste, ist auffallend ruhig und liegt meist teilnahmslos im Kinderwagen. Auch sie ist oft erkältet. Neben allen beobachtbaren Auffälligkeiten ist eines jedoch auch deutlich: die Mutter hat eine enge emotionale Bindung an die Kinder und liebt sie sehr. In Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses unterstreicht sie, dass sie alles tun wird, um ihre Kinder nicht zu verlieren. Gemeinsam mit dem Jugendamt besprechen alle Beteiligten den Bedarf der jungen Familie. Schnell wird klar, dass die junge Mutter in nahezu allen Lebensbereichen Unterstützung benötigt. Dass sie lernen muss, Familie zu leben, Verantwortung zu tragen, ihre Kinder zu fördern und die Weichen für ein gelingendes Leben zu stellen. Kein Kinderspiel, vor allem für Mütter, die wie Anne W. selbst noch sehr jung sind.

Noch vor einigen Jahren wäre eine Trennung dieser jungen Familie unvermeidbar gewesen, da ein ambulanter Familienhelfer alleine diesen hohen Unterstützungsbedarf nicht hätte leisten können. Im Laufe der letzten Jahre wurde jedoch der Bedarf nach zusätzlichen Hilfen für Familien mit Kleinkindern immer deutlicher. Und damit auch die Notwendigkeit, bestehende Angebote zu überprüfen und entsprechend zu verändern. Das haben wir getan. Darüber hinaus wurde eine Projektgruppe zum Thema Kinderschutz eingesetzt, die interne Verfahren für den Einsatz erfahrener Kinderschutzfachkräfte entwickelt hat. Heute können wir Kindern und jungen Familien innerhalb unseres Eltern-Kind-Netzwerkes aufeinander aufbauende beziehungsweise sich ergänzende Hilfen und Lösungen anbieten. Hier fügen sich Ressourcen zu einem sinnvollen Ganzen.

Im Mittelpunkt aller Hilfen, die wir im Eltrn-Kind-Netzwerk denken, steht immer der Schutzauftrag für Säuglinge und Kleinkinder sowie die Förderung der Erziehungskompetenz der Eltern. Die Besonderheit besteht zum einen in den vielfältigen Zugängen zu den Hilfesuchenden – von der ambulanten Hilfeform über den Schutz für das einzelne Kind durch Inobhutnahme bis hin zur stationären Hilfe für die ganze Familie.
Die Besonderheit besteht zum anderen in der kontinuierlichen Begleitung der Hilfe- unabhängig von Wechseln im System - durch die Kinderschutzfachkraft, die den Hilfeverlauf von Anfang bis Ende koordiniert. „Viele Hilfen aus einer Hand“ erhält hier noch einmal eine andere Bedeutung.

Wir haben unser Schutzsystem auf tragende Säulen gestellt.
Durch die Vernetzung von Menschen. Und durch die Vernetzung professionalisierter Angebotsstrukturen.

FACHBERATUNG: die Fachberatung (0228.3827.444/ fachberatung@godesheim.de) ist zentraler Ansprechpartner für Anfragen, für alle fachlichen Belange innerhalb der Angebote für junge Familien und Kinder sowie interne Koordinationsstelle aller Kinderschutzfachkräfte.

KINDERSCHUTZFACHKRAFT: mehrere Mitarbeitende der Ev. Jugendhilfe Godesheim wurden besonders qualifiziert Gefährdungssituationen wahrzunehmen, zu beurteilen und einen Schutzplan zu erstellen. Sie verfügen über spezielle Beratungs- und Handlungskompetenz in Bezug auf § 8a SGBVIII.

DAS LINDGREN-HAUS: seit Mitte 2007 stiegen die Anfragen zu Schutz- und Hilfeangeboten gerade für jüngere Kinder dramatisch an. Im Lindgren-Haus bieten wir Plätze zur Inobhutnahme und Perspektivklärung für Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren, die aufgrund von unterschiedlichen Gefährdungssituationen, Entwicklungsverzögerungen oder frühkindlichen Traumatisierungen ein besonders hohes Maß an pädagogischer Betreuung und Förderung bedürfen.
Teilstationäre Kinderschutzplätze bieten darüberhinaus die Möglichkeit, ein Kind zum Schutz und zur Entlastung des Familiensystems entweder nur tagsüber oder nur nachts in der Wohngruppe zu betreuen. Die Eltern werden zusätzlich durch eine ambulante Hilfe unterstützt.
Das Lindgren- Haus bietet ferner stationäre Kriseninterventions- und Perspektiventwicklungplätze für junge Mütter und ihre Kinder.

DAS ZENTRUM FÜR JUNGE MÜTTER UND KINDER: bietet Lebens- und Entwicklungsraum für minderjährige und junge Mütter, die "Familie werden" in betreuter Wohnform verantwortungsvoll lernen wollen.

FIT: seit einigen Jahren bieten wir stationäre Hilfe für junge Familien in Form des Familien- Intensivtrainings, kurz FIT, an. Das Förderangebot hat das Ziel, die Eltern zu stabilisieren und ihre Erziehungsfähigkeit zu stärken. Junge Menschen erlernen ihre Elternrolle durch Anleitung, Training und Beratung in Wohnungen, die wir als Träger bereit stellen.

Das Begleitete Familienwohnen im Bonner Zentrum bietet inklusive Hilfen zur Entwicklung und Befähigung von Kindern und behinderten Eltern.

AMBULANTE, SOZIALRÄUMLICHE ANGEBOTE: Das ambulante Familienintensivtraining, kurz FIT, hat das Ziel, die Persönlichkeit der Eltern zu stabilisieren und die Erziehungsfähigkeit zu stärken. Junge Menschen erlernen ihre Elternrolle durch Anleitung, Training und Beratung in der eigenen Wohnung.

TELEFONISCHE HILFEN: unsere telefonischen Hilfen bieten Kindern und Familien in Notsituationen ebenso persönlichen wie anonymen Schutz.

ONLINE – BERATUNG 
Unter
fachberatung@godesheim.de können Sie sich jederzeit beraten lassen.
igronbach@godesheim.de können Sie sich vertrauliche seelsorgerische Unterstützung durch eine Pfarrerin holen.

KOOPERATION: mit unseren MEDIZINISCHEN VERSORGUNGSZENTREN, MEZ garantieren wir kurze Wege und im Bedarfsfall eine umfassende medizinisch-therapeutische Versorgung: Allgemeinmedizin, hausärztliche Versorgung, Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Psychotherapie, Sozialpsychiatrie für Kinder- und Jugendliche, Familienberatung und therapeutische Versorgung.

Durch unser Konzept ineinandergreifender Hilfen möchten wir einen besonderen Beitrag zum Schutz von Kindern und jungen Familien leisten.

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