Kriseninterventions- und Diagnosezentrum

Kriseninterventions- und Diagnosezentrum (KIDZ)

Die Mutter drogenabhängig, der Vater alkoholkrank. Dorothee war weder geplant, noch gewünscht. Mit 3 Jahren wurde sie Inobhut genommen. Unterernährung, körperliche Verletzungen, völlige Verwahrlosung. Sie sprach nicht. Sie weinte nicht laut, es war eher ein Jammern.

Nach der Unterbringung im Heim brach der Kontakt zwischen Eltern und Dorothee ab. Sie blieb ein Jahr im Heim, machte Entwicklungsschritte und wurde im Alter von 4 Jahren in eine Pflegefamilie vermittelt. Sie fasste Vertrauen zu ihren Pflegeeltern, holte den Entwicklungsrückstand durch die liebevolle Zuwendung, krankengymnastische, logopädische und spieltherapeutische Betreuung schrittweise auf. Als Dorothee eingeschult wurde, nahm ihre leibliche Mutter Kontakt zum Jugendamt auf und forderte ihr Besuchrecht ein. Das Jugendamt gestand begleitete Besuchskontakte zu. Zeitgleich verfiel Dorothee in alte Handlungsmuster. Sie nässte und kotete wieder ein, begann, sich Verletzungen zuzufügen und reagierte immer aggressiver auf ihre Pflegemutter, zu der sie bis dahin ein liebevolles Verhältnis hatte. Dorothees Verhalten verschlechterte sich so dramatisch, dass es unmöglich war, sie auch nur eine Minute unbeaufsichtigt zu lassen. So versuchte sie sich in der Badewanne selbst zu ertränken oder fügte sich durch spitze Gegenstände körperliche Verletzungen, vor allem im Genitalbereich, zu. Dennoch wurden die Besuchskontakte zur leiblichen Mutter von rechtlicher Seite nicht untersagt. Dorothee war 8, als die Pflegefamilie am Ende ihrer Kraft war. Dorothee kam ins Heim. Damit begann eine Odyssee durch unterschiedliche Jugendhilfeeinrichtungen und kinderpsychiatrische Kliniken, in denen Dorothee stark aggressives Verhalten, Selbstverletzungen, Selbstmordversuche zeigte und keinen an sich heranließ. Sie sprengte jedes System. Aufgrund ihres selbstgefährdenden Verhaltens, lebte Dorothee zwischen ihrem 12. und 14. Lebensjahr ausschließlich in der Kinderpsychiatrie. Mit 15 wurde Dorothee im Kriseninterventions- und Diagnosezentrum des Godesheims vorgestellt, mit dem Auftrag, eine Zukunftsperspektive zu finden. Nach anfänglich großen Schwierigkeiten, gelang Dorothee die Mitarbeit. Während sie den Kontakt zu Gleichaltrigen vermied, Erwachsenen reserviert begegnete, fiel auf, dass sie gerne mit Kleineren zusammen war, sich im Umgang liebevoll und verantwortlich zeigte. Im Anschluss an Dorothees Aufenthalt im KIDZ konnte für sie eine Lebensperspektive in Form einer heilpädagogischen Intensivgruppe mit jüngeren Kindern gefunden werden.

Dorothee ist heute 18 Jahre alt. Sie ist zugänglicher geworden, Selbstverletzungen sind selten geworden. Sie respektiert Erwachsene als Ansprechpartner, bleibt aber auf Distanz. Zu ihrer leiblichen Familie gibt es keinerlei Kontakte. Dorothees Adresse ist ihnen nicht bekannt.

Namen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert


Das Inobhutnahmeangebot, das wir als Träger für die Bundesstadt Bonn vorhalten, besteht aus der Maxi 42, KIDZ, der Zufluchtstelle für Mädchen, der Jugendschutzstelle, dem Kinderschutzwohnen und der - begleiteten - Inobhutnahme für Kleinkinder und Säuglinge. Durch dieses sehr differenzierte Inobhutnahmesystem haben wir die Möglichkeit Schutz und Perspektiven für Kinder und Jugendliche ebenso anzubieten wie für Säuglinge und Kleinkinder.

Das Kriseninterventions- und Diagnosezentrum - kurz KIDZ - entwickelt Lebensperspektiven für "besonders Schwierige", für Kids, die zu Grenzfällen zwischen Jugendhilfe, Justiz und Kinder- und Jugendpsychiatrie werden, jene, die professionelle Erwachsene handlungsunfähig machen. KIDZ bietet Heranwachsenden durch verbindliche Formen der Pädagogik einen gruppalen Rahmen, der sich durch strukturierte Tagesplanung, einfache Regeln und strukturierte Freizeit auszeichnet. Ein multiprofessionelles Team arbeitet in hoher Personaldichte, um dem Erfordernis "gruppaler, funktionierender Alltag" und "individuelle Krisenberuhigung und Diagnostik" Rechnung zu tragen. Keine Krise gleicht der anderen. Neben Gruppenpädagogik ist "Pädagogik in der Gruppe" gefragt, die am Verstehen dessen ausgerichtet ist, was die Krise des jeweiligen Kindes/ Jugendlichen ausmacht. Integrierte Beschulung sowie Kinder- und Jugendpsychiatrische Arbeit sind wesentliche Bestandteile der Arbeit. Bei selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten von Kindern und Jugendlichen bietet KIDZ die Möglichkeit, sie innerhalb einer begrenzten Zeit in einem geschützten, geschlossenen Kontext zu betreuen.


Kriseninterventions- und Diagnosezentrum

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