WG Ließem

Koedukative Außenwohngruppe in Ließem

Kind sein

Rebecca, bislang eine gute Schülerin mit unauffälligem Sozialverhalten, fällt in der Schule ab, kommt oft ohne Hausaufgaben, wirkt übermüdet, unkonzentriert, …macht optisch einen ungepflegten Eindruck. Zu einem vom Klassenlehrer initiierten Elterngespräch kommt nur der Vater, ….mit deutlicher Alkoholfahne. Er sagt, er habe keine Erklärung für Rebeccas verändertes Verhalten, würde sich aber darum zu kümmern. In den kommenden Wochen scheint es, als knüpfe Rebecca an ihren alten Leistungen wieder an. Dennoch, ….Rebeccas Verhalten gibt dem Lehrer Anlass zur Sorge. Sie ist sehr ruhig und in sich gekehrt. Im Schwimmunterricht bemerkt die Lehrerin in der Umkleidekabine, dass Rebeccas Gesäß großflächige blaue Flecken hat. Rebecca behauptet, sie sei vom Klettergerüst gefallen. In einem Gespräch mit der alarmierten Schulpsychologin erzählt die Zwölfjährige dann, dass sie, seit ihre Mutter krank sei, die Versorgung der Familie übernommen habe und ihr Vater sie, wenn er etwas getrunken habe und der Haushalt nicht in Ordnung sei, schlagen würde. Nach Information des Jugendamtes und einem Hausbesuch, stellt sich heraus, dass die Mutter seit Geburt des jüngsten Sohnes vor 18 Monaten, an Depressionen leidet und aufgrund dessen mit den drei Kindern und dem Haushalt gänzlich überfordert ist. Der Vater, Arbeiter im Schichtdienst, der häuslichen Situation nicht gewachsen, sucht zunehmend Zuflucht im Alkohol. Seiner Arbeit kommt er nur noch unzureichend nach. Die Kündigung droht. Zur Entspannung der familiären Situation werden die Kinder zunächst in Obhut genommen. In Gesprächen wird deutlich, dass die Eltern Zeit brauchen, ihre Probleme zu lösen. Daher werden die Kinder in Wohngruppen untergebracht.

Rebecca darf nun wieder Kind sein und steht mit ihren gerade einmal zwölf Jahren nicht länger in der Verantwortung für ihre jüngeren Brüder. Nicht nur die Unterbringung der Kinder, sondern vor allem die Probleme der Eltern sind Gegenstand regelmäßigen Elterngespräche: die Aufarbeitung des Vergangenen, die Hinführung zu notwendigen Therapien. Heute, nach gut einem Jahr intensiver Arbeit, haben beide Elternteile ihre Therapien erfolgreich abgeschlossen. Einer schrittweisen, begleiteten Rückführung und damit dem Weg in eine gemeinsame Zukunft, steht bei dieser Familie nichts im Wege.

Namen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert


Das Wohnhaus liegt am Ortsrand von Wachtberg - Ließem, einem kleinen Ort an der Stadtgrenze Bonns. In der koedukativen Wohngruppe stehen zehn Plätze für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 14 Jahren zur Verfügung.


Kurzprofil Wohngruppe Liessem

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