Heilpädagogische Intensivgruppen Mädchen und Jungen

Heilpädagogische Intensivgruppen

Karlas Wut

Karla lebte bis zu ihrem 11. Lebensjahr in Tschechien. Sie war 7, als ihre Mutter nach Deutschland ging und sie allein bei den Großeltern zurückließ. Karlas erster Kontakt mit Alkohol war genau zu dieser Zeit. Erst probierte sie nur den Schnaps des Großvaters, bald trank sie täglich, ….etwas später fing sie an, zermörsertes Antibiotikum zu schniefen….., von ihren Großeltern ließ sich Karla nichts mehr sagen. Mit 11 holte die Mutter Karla nach Deutschland. Sie lernte schnell Deutsch, besuchte die Hauptschule. Die Mutter ging arbeiten, hatte wenig Zeit. Karla blieb sich selbst überlassen. Schnell fand sie den Einstieg in die Drogenszene, verweigerte die Schule, konsumierte "harte" Drogen, beklaute ihre Mutter oder schaffte das nötige Geld durch Prostitution an. Die Mutter gab sich die Schuld an Karlas Schicksal und stand alldem wie gelähmt gegenüber. Wiederholt wurde Karla von der Polizei aufgegriffen und in die psychiatrische Klinik eingewiesen. Untersuchungen Karlas ergaben unter anderem die Diagnosen:

  • Anhaltende wahnhafte Störung
  • Akute Belastungsreaktion
  • Multipler Substanzmissbrauch
  • Gemischte Störung von Sozialverhalten und Gefühlen
  • Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsentwicklung vom Borderline-Typ
  • Durchschnittliche Intelligenz

Während eines Klinikaufenthalts floh Karla in die Niederlande. Bei dem Versuch Drogen zu erstehen, wurde sie festgehalten und vergewaltigt. Im März 2001 stellt die Mutter einen Antrag auf Erziehungshilfe beim Jugendamt. Karla ist 16, als sie in einer Mädchengruppe des Heilpädagogischen Intensivbereichs aufgenommen wird. Sie ist sehr wütend auf ihre Mutter, macht sie für ihre Gesamtsituation verantwortlich. Karla nutzt zunächst jede Gelegenheit, um die Gruppe zu verlassen, konsumiert dann Alkohol und Drogen, lebt ausschließlich nach dem Lustprinzip….

Gesellschaft ist für sie spießig,… ihr einziges Ziel ist die Volljährigkeit und damit, so meint sie, das verbriefte Recht ihren Drogenkonsum voll auszuleben. Ein langer Atem und Durchhaltevermögen im betreuenden Team waren gefragt. Schrittweise konnte Karla sich auf die Regeln und Strukturen der Gruppe einlassen. Sie entwickelte Zukunftsziele, verwendete viel Energie darauf, kleine und große Etappenziele zu erreichen. Ein besonderes Problem stellte die Auseinandersetzung mit ihrer Beschaffungsprostitution dar. Karla versuchte zunächst diesen Teil ihrer Vergangenheit zu verdrängen. Als sie offen damit umzugehen verstand, ließen ihre psychischen Auffälligkeiten immer mehr nach. Karla schaffte ihren Hauptschulabschluss, sie schaffte den Sprung in die Reintegrationsgruppe. Mit 18 zog sie in eine eigene Wohnung, in der sie nun von einem pädagogischen Mitarbeiter ambulant nachbetreut wird. Inzwischen hat sie ihren Realschulabschluss mit Qualifikation geschafft. Karla ist seit über zwei Jahren drogenfrei.

Namen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert


Die heilpädagogischen Intensivgruppen sind für Kinder und Jugendliche konzipiert, die unter starken Verhaltensauffälligkeiten oder psychiatrischen Störungsbildern leiden. Jede Gruppe hat ihren spezifischen Ansatz in der Ausgestaltung der pädagogischen, heilpädagogischen und therapeutischen Arbeit. Allen gemeinsam ist ein verhaltensmodifizierender Schwerpunkt. Es besteht eine enge Kooperation mit der örtlichen Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie mit niedergelassenen PsychologInnen und PsychiaterInnen.
Unsere behaglich gestalteten Wohnhäuser sind in Kleingruppen mit 4 bis 6 Plätzen geschlechtsspezifisch ausgerichtet. Die Kinder und Jugendlichen leben vorwiegend in Einzelzimmern, die sie atmosphärisch mitgestalten dürfen.


Gebäude Heilpädagogische Intensivgruppen

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